Gedanken in der Corona-Krise

 

Nachfolgend einige Gedanken im Kontext der Corona-Krise in unterschiedlichen Bereichen.
Weitere Statements von Ihnen/Euch stelle ich hier gerne ein.

 

31. März 2020

Noch bin ich hin- und hergerissen zwischen erschrecken, Sorge und zaghafter Hoffnung auf Erneuerung.
Corona als kollektive Fastenübung?
Die große Unterbrechung?
Oder doch ein zerstörerischer Absturz? Apokalypse?

Gesundheitliche Ebene

Dürfen wir uns angesichts des Leidens der Erkrankten, ihrer Angehörigen und der aufgrund der Pandemie Ausgegrenzten überhaupt weiterführende Gedanken machen? ist das nicht respektlos zu diesem Zeitpunkt? Oder doch dringend geboten?

Die Ängste vor Erkrankung sind sehr berechtigt. Schützen ist notwendig. Und doch gibt es auch kritische Stimmen führender Virologen. Was bleibt gesundheitlich an anderer Stelle auf der Strecke? Welche Schäden richten die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie an? Was davon ist vermeidbar? Aber wie? Wie finden wir Verhältnismäßigkeit?

Und wie gehen wir um mit der Doppelbotschaft: schützen, schützen, schützen und "durchseuchen" sei notwendig?

Psychische Ebene

Über allem liegt ein dämpfender drückender Nebel. Lebensenergie ist gebremst. Ängste wirken. Mein Schlaf ist unruhiger. Corona dringt in die Träume.

Und doch: auch Lust auf einen kreativen Umgang mit dieser Situation macht sich bemerkbar.

Existentielle Ebene

Die Fragilität des Lebens wird deutlicher. Der Umgang mit den Einschränkungen fällt schwer.
Die große Entschleunigung? Besinnen auf Wesentliches?

Einsamkeit verschärft sich, bekommt einen bitteren Beigeschmack. Planungen werden radikal durchkreuzt.

Spirituelle Ebene

Manche Konturen werden klarer.
Kontemplation trägt. Die Mystik wird stärker.
Manche liturgische Formen kommen in die Krise. Ausschließende Tendenzen werden sichtbar.

Geistige Verbindung trägt.
Transreligiöse Vernetzung wächst angesichts einer gemeinsamen Krise.

Werden wir uns danach anders begegnen?

Kommunikative Ebene

Die Reduktion ist auch wohltuend.
Auf Dauer würde mir die Einschränkung persönlicher Begegnung in Unmittelbarkeit nicht gut tun.
Unsere Begriffe verändern sich: öffentlich, gemeinsam, in Verbindung sein, ....

Der Digitalisierungsschub könnte auch eine Chance sein, wirklich Neues zu entdecken.

Berufliche Ebene

Entschleunigung tut gut. Auch wir hatten ein hohes Tempo.
Das große neue Thema muss integriert werden in die Seniorenpastoral.

Ältere Menschen sind besonders betroffen:
gesundheitlich / gesellschaftlich / psychisch / existentiell / kommunikativ / spirituell

Gesellschaftliche Ebene

Große Solidarität und viele Sorgen. Zusammenhalt oder Auseinanderfall?
Neue Spaltung (horizontale Öffnung)? Die Jungen machen öffentlich weiter und die Alten werden isoliert?

Wie geht das zusammen: Stärkung des Nah-Raums und globale Verantwortung?

Wirtschaftliche Ebene

Hier bin ich so unsicher. Platzen nur Blasen oder wird der erreichte Wohlstand zerstört?
Was steht wirklichh auf dem Spiel?
Wie verhält sich die Macht der großen Konzerne zur Stärkung lokaler Strukturen?
Wer gewinnt und wer wird verlieren?

Starke Sprüche

"Berühre mich - aber fass mich nicht an"

Wie war das an Ostern?: Halt mich nicht fest.

Fragen und Perspektiven

Wird Corona auch ein "geistiges Virus"?
Infiziert es unser Denken und Fühlen?
Entzündet es die Angst und führt zu Panik?
Wer ist gefährdet?


Verschärft sich die Haltung der Abwehr im Sinne von Vermeidung durch Bekämpfung?
(Kriegsrhetorik)

Oder was bedeutet es mit Corona zu leben?
-  Achtsam sein - aber nicht ängstlich
-  Distanz als Respekt, aber nicht als Ausgrenzung
Mit Gefährdungen leben lernen (endlich leben)
Abwehr durch Annahme (Aikido-Prinzip)
-  ......